Anni Fochler

Anna (Theresia) Fochler war das einzige Kind von Eduard Fochler jun. und dessen Frau Anna, geb. Klein. Sie wurde am 6. Mai 1929 in der Pfarre Absdorf bei Tulln geboren. Ihr Großvater Eduard Fochler sen. besaß damals noch die Mühle im zugehörigen Absberg. Als der Großvater in diesem Jahr die Mühle in Göllersdorf kaufte und Absberg verließ, zog Annis Familie nach Wien. Der Vater wurde „Gemischtwarenverschleißer“ in der Loudongasse 16, im Christlichen Gewerkschaftshaus. Anni ist also im Wiener achten Bezirk aufgewachsen.

Sie hatte wenig Kontakt zu den Göllersdorfern. Erst als Maria dort als Gattin des Onkels einzog, verbesserte sich das Verhältnis. Und als die Großmutter, die auch dort lebte, krank wurde, fuhr sie auch öfter hinaus zu ihr. Sie hat früh ihren späteren Ehemann, den Medizinstudenten Helmut Hofmann aus Stockerau kennengelernt. Wenn sie übers Wochenende mit der Bahn hinaus fuhr, dann fuhren sie das Stück bis Stockerau gemeinsam.

Das Wochenende, an dem der Mord geschah, war ein besonderes: die 18-jährige Anni wollte den Göllersdorfer Fochlern ihren Verlobten vorstellen. Schon am Freitag fuhren sie dorthin, sie ging in die Mühle und konnte dort im Dienstmädchenzimmer bei Anna Seidl schlafen, er übernachtete bei seiner Tante, Frau Karasek.
Am Samstag ging sie zuerst – wahrscheinlich mit ihrem Bräutigam – spazieren, am Abend half sie der Müllerin beim Schneiden von Schweinespeck und Fettauslassen. Hermine, die Schwester von Maria Fochler, half mit. Später kam noch Erich dazu, man machte Scherze und arbeitete bis spät in die Nacht.

Am Sonntag, es war der 22. Februar 1948, war sie zusammen mit Helmut Hofmann am Nachmittag wieder spazieren. Anna ging danach um 16:30 nach Hause, wo Maria strickte und Franz Zeitung las. Der Müller ging noch außer Haus. Danach kam Helmut, man tratschte, man spielte mit dem kleinen Franzi, Gendarmeriekommandant Rath kam dazu, Helmut verließ das Haus vor dem Abendessen.

Danach soll es laut Anni zu folgender bemerkenswerten Situation gekommen sein: Rath soll Maria etwas ins Ohr geflüstert haben und diese soll daraufhin ganz verändert gewesen sein. Als sie kurz darauf Maria gefragt habe, worum es ging, soll diese ausweichend „Ach, wegen der Oberen“ gesagt haben, wobei sie die Rebitzers gemeint habe. Sie soll Anni beim Hinaufgehen zu diesen um den Hals genommen und ihr gestanden haben, wie gern sie sie habe.

Oben sei es lustig her gegangen, bis Lotte wegen einer Verkühlung schon um 20:00 Uhr ins Bett ging. Anni ging mit Franzi in die Küche, wo Erich mit seinen Freunden Karten spielte. Etwa um 21:00 Uhr wurde Franzi geholt, Anni blieb noch ein wenig, bis auch sie hinunterging und sah, wie Rath und Franz Fochler zusammensaßen.

Etwa um 10:00 wollte sich Maria niederlegen und trug Anni auf, den Franzi bettfertig zu machen. Eingewickelt in eine Decke brachte sie ihn hinauf ins Schlafzimmer, wo sie den Buben in die Mitte des Ehebettes legte, in das sich gerade bei ihrem Eintreten der Müller gelegt hatte.

Unten traf sie noch im Badezimmer auf Maria, sie stand in der Tür, weil das Licht ausgefallen war. Maria sagte, sie habe ihr für morgen früh eine Jause in einem Päckchen in der Speisekammer hergerichtet, das solle sie sich nehmen, falls sie selbst noch nicht auf wäre.

Am nächsten Morgen bemerkte sie nichts von der Ermordung der drei Verwandten. Da noch niemand auf war, holte sie sich das Päckchen aus der Speisekammer. Sie ging aber auch noch zum Schlafzimmer von Maria und Franz und klopfte an die geschlossene Tür, doch niemand reagierte, auch nachdem sie gerufen hatte. Also habe sie sich zum Bahnhof begeben und sei mit Helmut nach Wien gefahren.

In Wien traf sie auf der Straße eine Kundin, die ihr sagte, dass in Göllersdorf alles tot sei. Ihre Eltern waren bereits von Erich informiert worden und machten sich auf den Weg mit einem geborgten Auto zur Mühle hinaus.

Am Abend kam Josefine Zehetner ins Geschäft. Diese sagte später aus, dass sie die Anni mit fröhlichem Gesicht angetroffen habe und diese sogar gelacht habe.

Anna fuhr dann erst am Donnerstag zum Begräbnis wieder nach Göllersdorf. Dort habe sie den Inspektor Rath gefragt, was er denn der Tante am Abend damals ins Ohr geflüstert habe. Dieser habe sich nicht daran erinnert, es sei sicher etwas Belangloses gewesen. Sie war dabei, als Krouzek in der Stube vor den Trauergästen seine Version des Tathergangs präsentierte, und sie war auch beim Begräbnis der Tante dabei. Beim Prozess betonte sie als Zeugin: „Es fehlten Frau Rebitzer und Lotte.“

Ihr Vater Eduard übernahm die Führung des Mühlenbetriebs zusammen mit Therese Rebitzer. Dabei übernahmen sie auch die teuren Maschinen, welche Franz Fochler zumindest zum Teil Hahn und Kolb unterschlagen hatte. Auf eine Anzeige hin wurde ihr Vater im Juni 1949 festgenommen und bis August in Untersuchungshaft genommen. Anni hilft Helmut dabei eine Kassette mit Bargeld und Belegen von Schwarzgeschäften vor den Ermittlungsbehörden zu verstecken. Nachdem Charlotte Rebitzer wegen Verdachtes der Beihilfe zum Mord festgenommen worden war und Helmut Hofmanns Versteck den Ermittlungsbehörden verraten hatte, brachte Anna zusammen mit Helmut die Kassette zur Polizei. Anna hatte den Schlüssel dabei.

Im Oktober 1950 wird Erich Rebitzer wegen des Mordes der Müllerfamilie zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Therese und Charlotte Rebitzer werden nicht mehr in die Mühle gelassen.

Im November 1951 starb ihr Vater in Göllersdorf im 58. Lebensjahr. Im Jahr darauf heiratete Anni ihren bisherigen Verlobten Helmut Hofmann. Theresias Anteil an der Mühle wird ihr ausgezahlt. Die Hofmanns bringen die Mühle in Schuss und bauen sie aus.

Anna bringt zwei Söhne zur Welt. 1973 stirbt einer von ihnen, Andreas, mit nur 8 Jahren bei einem Elektrounfall. Der zweite geht später weg aus Göllersdorf, verlässt Österreich und zieht nach Thailand.

1985 wurde die Mühle geschlossen, die Hofmanns gingen in Pension.

1986 starb ihre Mutter Anna 83-jährig.

Ehemann Helmut Hofmann starb 2019 mit 89 Jahren.

Am 7. Juli 2023 starb sie in Göllersdorf.